Kostgeld: Wie viel solltest du deinen Eltern abgeben?
Was üblich ist, was Kostgeld abdecken sollte und wie das Gespräch am Familientisch einfacher wird.
Alicia Devaux
Co-Founder und COO, Liquid Education
6 Min. Lesezeit
Zahlen für 2026

Foto: Unsplash
Das Wichtigste in Kürze
Das Gesetz sagt sinngemäss: Wer als Kind bei den Eltern wohnt, kann einen angemessenen Beitrag an den Unterhalt leisten müssen. Einen Betrag nennt es nicht.
Oft genannt werden 10 bis 20% vom Lehrlingslohn. Bei CHF 1'000 sind das CHF 100 bis CHF 200 im Monat.
Die Budgetberatung Schweiz rät: Zuerst deckst du deine eigenen Ausgaben, dann trägst du zum Haushalt bei.
Wichtiger als die Zahl: Klärt, was das Kostgeld abdeckt. Essen, Wäsche, Handy, ÖV?
Schaut den Betrag jedes Lehrjahr neu an, wenn der Lohn steigt.
Der erste Lehrlingslohn ist da, und am Znachttisch fällt das Wort Kostgeld. Wie viel Kostgeld ist als Lehrling fair? Eine Zahl, die für alle Familien passt, gibt es nicht. Es gibt aber Richtwerte, eine Regel im Gesetz und ein paar Fragen, die das Gespräch viel einfacher machen. Dieser Artikel ist für dich und für deine Eltern. Lest ihn ruhig zusammen.
Was das Gesetz zum Kostgeld sagt
Im Zivilgesetzbuch steht sinngemäss: Lebt ein Kind mit den Eltern zusammen, können sie verlangen, dass es einen angemessenen Beitrag an seinen Unterhalt leistet. Was «angemessen» heisst, lässt das Gesetz offen. Es hängt von deinem Lohn, deinen eigenen Kosten und der Situation deiner Familie ab. Dein Lohn bleibt trotzdem deiner: Du verwaltest und nutzt ihn selbst.
Gleichzeitig gilt: Deine Eltern müssen bis 18 für deinen Unterhalt sorgen. Hast du dann noch keine angemessene Ausbildung, auch länger, soweit es ihnen zumutbar ist. Kostgeld heisst also nicht, dass du ab der Lehre alles selbst zahlst. Es heisst, dass du mitträgst.
Wie viel Kostgeld ist für Lehrlinge üblich?
Oft genannt werden 10 bis 20% vom Lehrlingslohn. Laut einem Bericht von cash.ch gibt etwa ein Drittel der Lernenden zu Hause Kostgeld ab. So sieht die Spanne in Franken aus:
Lehrlingslohn netto pro Monat | 10% | 15% | 20% |
|---|---|---|---|
CHF 800 | CHF 80 | CHF 120 | CHF 160 |
CHF 1'000 | CHF 100 | CHF 150 | CHF 200 |
CHF 1'200 | CHF 120 | CHF 180 | CHF 240 |
CHF 1'500 | CHF 150 | CHF 225 | CHF 300 |
Das sind Richtwerte zur Orientierung, keine Vorgabe. Was bei euch passt, entscheidet ihr gemeinsam.
Die Budgetberatung Schweiz nennt keinen Prozentsatz. Ihr Grundsatz: Zuerst deckst du deine eigenen Ausgaben wie Handy, ÖV, Kleider, Coiffeur und auswärtiges Essen. Was danach übrig bleibt, kann in den Haushalt fliessen. In ihren Budgetbeispielen für minderjährige Lernende ist das bei einem Nettolohn von CHF 800 nur rund CHF 40, bei CHF 1'200 rund CHF 170 und bei CHF 1'400 rund CHF 300 im Monat. Dieser Betrag deckt dort auch das auswärtige Essen.
Das heisst: Mit einem tiefen Lohn im 1. Lehrjahr ist wenig oder kein Kostgeld oft realistischer. Mit jedem Lehrjahr kann es steigen.
Was Kostgeld abdecken sollte
Oft dreht sich der Streit ums Kostgeld nicht um den Betrag, sondern darum, was drin ist. Geht diese Liste zusammen durch und entscheidet bei jedem Punkt: im Kostgeld drin oder zahle ich selbst?
Essen zu Hause, Frühstück und Znacht
Mittagessen oder Lunch für die Arbeit
Wohnen, Strom, Internet
Wäsche
Handy-Abo
ÖV-Abo oder Velo
Krankenkasse
Kleider und Schuhe
Coiffeur und Pflege
Ausgang, Hobbys, Ferien
Wenn klar ist, was dabei ist, ist auch klar, ob der Betrag fair ist. CHF 200 inklusive Handy, Krankenkasse und Mittagessen sind etwas anderes als CHF 200 nur fürs Wohnen.
Kostgeld ab 18 und nach der Lehre
Mit 18 bist du volljährig. Das Kostgeld wird dann vor allem zu einer Abmachung in der Familie. Praktisch ändert sich oft einiges: Die Krankenkassenprämie steigt ab dem Jahr, in dem du 19 wirst, und bald kommt deine erste eigene Steuererklärung. Viele Familien passen das Kostgeld dann an oder teilen die Kosten neu auf.
Nach der Lehre, mit einem vollen Lohn, rechnet die Budgetberatung Schweiz mit deutlich mehr: Ihre Richtwerte für Kost und Logis bei erwerbstätigen jungen Erwachsenen liegen zwischen CHF 735 und CHF 1'510 im Monat, je nachdem, was alles drin ist. Das ist meist immer noch weniger als eine eigene Wohnung, aber kein Sackgeld mehr.
So redest du mit deinen Eltern übers Kostgeld
Ein Gespräch, zehn Minuten, am besten bevor sich alle an einen Betrag gewöhnt haben. So kann es laufen:
Mit Zahlen kommen. Nimm deinen Nettolohn und deine Fixkosten mit. Dann redet ihr über echte Beträge statt über Gefühle.
Erst klären, was drin ist. Geht die Liste oben durch.
Dann den Betrag festlegen. Die 10 bis 20% sind ein Startpunkt, kein Gesetz.
Fix und automatisch. Ein Dauerauftrag am Zahltag ist für alle einfacher, als jeden Monat daran zu denken.
Termin für die nächste Runde. Zum Beispiel beim nächsten Lehrjahr oder wenn sich etwas ändert.
Satz zum Klauen: «Ich will etwas beitragen. Können wir zusammen anschauen, was das Kostgeld abdeckt, und dann einen Betrag festlegen, der für alle passt?»
Für Eltern: drei Gedanken
Kostgeld ist auch Übung. Ein fixer Betrag, der jeden Monat abgeht, ist eine gute Vorbereitung auf die erste Miete.
Die Ausbildungszulage geht an euch. Ihr bekommt sie, solange euer Kind in Ausbildung ist, und sie ist für seinen Unterhalt gedacht. Manche Familien rechnen sie beim Kostgeld mit ein. Das ist Teil eures Gesprächs.
Ein Teil kann zurückfliessen. Manche Eltern legen einen Teil des Kostgelds zur Seite und geben ihn beim Auszug oder für den Führerschein zurück. Muss nicht sein, ist aber eine schöne Idee.
Kostgeld im Budget
Kostgeld ist ein Fixposten, wie das Handy-Abo. Es geht am Zahltag ab, und erst danach planst du den Rest.
In Liquid erscheint der Dauerauftrag fürs Kostgeld unter «Anstehende Zahlungen», bevor er abgebucht wird. Bei verbundenen Konten über bLink und bei hochgeladenen PDF-Auszügen erkennt Liquid wiederkehrende Zahlungen selbst. Erfasst du eine Zahlung von Hand, markierst du sie einmal als wiederkehrend.
Quellen
Eigener Arbeitserwerb und angemessener Beitrag an den Unterhalt bei häuslicher Gemeinschaft: Schweizerisches Zivilgesetzbuch, Art. 323 ZGB, fedlex.admin.ch.
Unterhaltspflicht der Eltern bis zur Volljährigkeit, ohne angemessene Ausbildung länger, soweit zumutbar: Art. 277 ZGB, fedlex.admin.ch.
Grundsatz «zuerst eigene Ausgaben decken»: Budgetberatung Schweiz, «Kost und Logis», budgetberatung.ch (ohne Datum).
Budgetbeispiele für minderjährige Lernende (Restbetrag für auswärtige Verpflegung und Kost und Logis: CHF 800 → CHF 40, CHF 1'200 → CHF 170, CHF 1'400 → CHF 300): Budgetberatung Schweiz, «Budgetbeispiele für Lernende, Minderjährige», Version 2025/2026, budgetberatung.ch.
Richtwerte für Kost und Logis junger Erwachsener, CHF 735 bis CHF 1'510: Budgetberatung Schweiz, «Richtwerte für Kost und Logis», Version 2025/2026, budgetberatung.ch.
10 bis 20% und «etwa ein Drittel der Lernenden»: cash.ch, «Der erste Lohn: Was Lernende und ihre Eltern dazu wissen müssen», 11.08.2025.
Prämie für junge Erwachsene ab dem Jahr, in dem man 19 wird: BAG, priminfo.admin.ch.
Stand der Quellen: 16.10.2026.
Häufige Fragen
Allgemeine Information, keine Finanz-, Steuer- oder Rechtsberatung. Massgebend sind die Angaben der zuständigen Behörden und Anbieter.
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Geschrieben von
Alicia Devaux
Co-Founder und COO, Liquid Education


